Koreanisches Mondkalender-Neujahr

In zwei Tagen ist es soweit. Dann beginnt ein neues Jahr. Moment, wir haben doch schon längst Februar. Stimmt! Das Jahr 2021 beginnt ja auch im Februar. Genauer gesagt am 12. Februar.  Zumindest nach dem asiatischen Lunarkalender. (Foto: Abrecht Fietz)

Hier im Westen heißt das Jahr 2021 einfach 2021. Oder auch „Jahr eins nach Corona“. In Asien hat das neue Jahr aber noch einen weiteren, weitaus poetischeren Namen. Nämlich „Jahr des Büffels.“ Alle Menschen, die in den nächsten zwölf Monaten geboren werden, tragen zudem das Tierkreiszeichen Büffel. (In Asien verteilen sich die zwölf Sternzeichen auf Jahre, nicht auf Monate.)

Jahr des Büffels

Ich habe natürlich auch schon das Horoskop für das Büffeljahr nachgeschlagen. Schließlich muss ich ja wissen, was auf mich und uns alle so zukommt. Also, das Jahr des Büffels wird schon mal ein glückliches Jahr mit guten Beziehungen. Sowohl freundschaftlichen, als auch Liebesbeziehungen. Da bin ich ja beruhigt!

Der Büffel an sich gilt zudem als sehr fleißig und strukturiert. Was bedeutet, dass fleißige und strukturierte Menschen in den nächsten zwölf Monaten gutes Geld verdienen werden. Heißt wohl im Umkehrschluss, dass faule und chaotische Leute 2021 leer ausgehen. (Ist das nicht in jedem Jahr so?)

Was für eine Vorhersage! Wir werden 2021 alle reich!! Auf so eine Prophezeiung muss man sich natürlich gut vorbereiten. In meiner koreanischen Familie geschieht das mit dem traditionellen Neujahrsfest. Wären wir jetzt in Korea und lebten meine Großeltern noch, würden sich heute alle meine Verwandten auf den Weg zu Omas und Opas Reisbauernhof in den Bergen machen und dort drei Tage lang durchfeiern.

Weil alle anderen Koreaner das Gleiche tun, sind die Straßen in diesen Tagen natürlich fürchterlich verstopft. Also empfiehlt es sich, zeitig loszufahren. So ungefähr zehn Stunden eher als sonst.
Dort angekommen, würden alle meine Tanten sofort mit dem Kochen anfangen. Es gibt Reiskuchensuppe, „Tteokguk“. Feste, weiße, kleine „Kuchen“ aus Reismehl, die aber gar nicht süß schmecken, sondern eher neutral und wie Gnocchi in einer kräftigen Rinderbrühe mit ein paar Teigtaschen („Mandu“) serviert werden.

Auf die Suppe werden getrocknete, zerbröselte Algen und gemahlener Sesam gestreut. Ein paar Omelettestreifen zieren das Gericht. Sehr lecker! Wer diese Suppe nicht zu Neujahr isst, wird übrigens in diesem Jahr nicht älter. Was ich aber für eine Legende halte, weil alle meine deutschen Freunde keine „Tteokguk“ zu Neujahr bekommen und trotzdem älter werden…

Verehrung der Toten

Ach ja, besonders wichtig an diesem Tag ist natürlich die Ahnenverehrung. Damit erinnern wir uns an verstorbene Familienmitglieder. Das ist so wie hier Totensonntag. Oder Allerheiligen. Nur in der Ausführung ein wenig anders: ALLE Familienmitglieder müssen bei dem Ritual mitmachen, denn Ahnen und tote Angehörige sind so ziemlich das Wichtigste, was es in der koreanischen Gesellschaft gibt. Glauben Sie ja nicht, dass die hysterische Verehrung der beiden toten Diktatoren Kim in Nordkorea ausschließlich kommunistische Ursachen hat…

Zweites wichtiges Ritual ist der Neujahrsgruß an die Älteren. Dazu müssen sich alle Kinder vor ihren Eltern tief verbeugen. „Tief“ bedeutet, mit dem Kopf den Boden zu berühren…Also „in den Staub werfen“. An dieser Stelle meiner Erzählung macht sich bei den meisten Deutschen übrigens blankes Entsetzen breit. Es sei denn, man ist mittlerweile der Älteste in der Familie und hat niemanden mehr „über sich“ vor dem man sich verbeugen müsste. Dann kann man sich nämlich genüsslich vorstellen, wie sich sämtliche Kinder und Kindeskinder, die sonst immer so frech sind, vor einem „in den Staub werfen“ und damit ihren Respekt zeigen.

Für den Gruß gibt es allerdings von den Älteren das Neujahrsgeld. Dieses Geld fließt immer nur in eine Richtung. Von oben nach unten. Das heißt, der Jüngste muss sich zwar am häufigsten verneigen, hat aber am Ende die Taschen voller Geld! Ist ja auch sehr schön!

Nach all diesen Ritualen ist man aber nun endlich gewappnet für das „Jahr des Büffels“. Seien Sie 2021 schön fleißig und ordentlich. Dann klappt das auch mit dem Reichtum!