Jachae Jongol - Der koreanische Hot Pot

in Vegan

Eigentlich wollten wir ja gestern den Geburtstag meines Mannes nachfeiern. Mit seinem Teil der Familie, der aus lauter deutschen, oder zumindest kaukasisch aussehenden Menschen besteht. (Foto: MissSeoulFood)

Woher genau die einzelnen Familienmitglieder stammen, kann man allerdings nicht mehr so richtig nachvollziehen. Angeblich nahm in einem kleinen Dorf in Polen alles seinen Anfang. Ist aber schon Generationen her. Allerdings, die Ehefrau seines ältesten Neffen hat neben deutschen auch türkische Vorfahren. Das erkennt man zwar weder an ihrem Aussehen (blonde Haare, helle Haut), noch an ihrem Namen (deutscher Vorname, osteuropäischer Nachname). Aber es gilt aus gesichert, dass ihre Mutter aus der Türkei stammt. Unser Neffe „musste“ auch schon die gesamte ostanatolische Großfamilie vor Ort kennenlernen, aber das ist eine andere, wenn auch gewiss sehr interessante Geschichte. Also, zurück zum Geburtstag.

Die Familienfeier ist jetzt natürlich ins Wasser gefallen. Sie wissen schon, Corona und so. Und so habe ich dann für zwei Personen gekocht. Für meinen Mann. Und für mich. Und zwar gab es koreanischen Hot Pot. Auf Koreanisch heißt Hot Pot „Jongol“. Weil wir uns für eine vegetarische Variante entschieden haben, gab es „Jachae Jongol“, wobei „Jachae“ nichts andere als Gemüse heißt. (Die koreanische Sprache ist gar nicht so schwierig, oder?).

Reiskuchen und Udon-Nudeln

Zuerst waren wir natürlich einkaufen. Hier in Bochum (Großstadt!) gibt es natürlich mehrere asiatische Lebensmittelläden, was auch der Grund ist, warum ich niemals aufs Land ziehen werde! Selbst in meiner Heimatstadt Castrop-Rauxel kann ich nicht leben, da gibt es nämlich keine ordentlichen asiatischen Lebensmittelhändler mit Koreaabteilung. Der Bochumer Laden meines Vertrauens war übrigens nahezu menschenleer, die Regale dafür ordentlich gefüllt. Ich hoffe nur inständig und aus eigenem Interesse, dass dieses Geschäft die Corona-Krise überlebt. Ansonsten kann ich ja gleich ins Münsterland ziehen…

Ich habe auch fast alles gefunden, was ich für den Hot Pot brauche, allen voran koreanische Reiskuchen aus dem Tiefkühler, Udon-Nudeln (verpackt wie die frische Pasta aus dem Kühlregal) und die koreanische Chilipaste „Gochujang“ (soll ja auch ordentlich „hot“ werden). Zur Feier des Tages gab es auch eine Flasche koreanischen Reisweins, wobei ich nicht so richtig weiß, ob es sich wirklich um eine Art Wein handelt. Laut Wikipedia ist „Makgeolli“ ein „naturtrübes, alkoholisches Getränk aus Korea mit einem Alkoholgehalt von 6 bis 7 Prozent“. Mein Schwager hat „Makgeolli“ mal mit Cidre verglichen. Könnte hinkommen… Ist immer gut, wenn man jemanden in seinem Umfeld hat, der sich gut mit alkoholischen Getränken auskennt.       

Auf frischen Tofu mussten wir leider verzichten. Ausverkauft! Aber wir sind ja flexibel und haben ihn einfach weggelassen. Aus Erfahrung weiß ich, man macht sich nur unnötig unglücklich, wenn man Dingen hinter trauert, die einfach nicht für einen gedacht sind. Weiter ging es im westlichen Supermarkt, in welchem ich jede Menge Gemüse gekauft habe. Sprich: Gemischte Pilze, Zucchini, Möhren, Rucola, Rotkohl und einen frischen, schneeweißen Rettich. Damit hatten wir die sprichwörtlich erste Miete.

Zuhause begann dann endlich der schöne Teil des Tages. Das Kochen. Eigentlich ist das Gericht denkbar einfach: Das ganze Grünzeug waschen, putzen, klein schneiden. Die Nudeln mit heißem Wasser überbrühen und auflockern und abschrecken. Zwei Handvoll Reiskuchen in warmen Wasser auftauen. Eine Gewürzbrühe herstellen aus Dashida (getrocknete Alge), einem Stück Rettich und einer halben Zwiebel; mit zwei Löffeln Gochujang (Chilipaste), einem Löffel Doenjang (Sojabohnenpaste), Salz und Pfeffer abschmecken.

Alle Zutaten bis auf die Nudeln in eine große Pfanne (von mir aus auch einen Wok, auch wenn die Koreaner gar keinen Wok benutzen!) geben, mit der Brühe aufgießen und etwa zehn Minuten lang köcheln lassen. Zum Schluss die Nudeln zwei Minuten lang mit garen. Mit ein paar übriggebliebenen Rucolablättern garnieren, sieht dann schön frisch aus. Die heiße Pfanne auf den Tisch stellen (Untersetzer nicht vergessen!) und mit gekochtem koreanischem Reis essen. Fertig!

Das Gericht ist VEGAN

Je nachdem, wie schnell man schneidet, ist das Gericht in etwa einer halben Stunde fertig. Okay, 45 Minuten. Im Original (also in Korea) stellt man die gefüllte Pfanne auf einen kleinen Gaskocher und gart das Essen direkt am Tisch. Ein wahrer Augenschmaus!

Während des Essens ist mir dann aufgefallen, dass das Gericht tatsächlich vegan ist. Nicht, dass das jetzt irgendeine Rolle spielt. Wir essen ja andauernd und ständig vegan, den meisten Menschen ist das nur nicht bewusst. Aber falls jemand doch auf der Suche nach einem coolen, einfachen, leckerem UND veganem Essen ist - voilà. Nur im Münsterland dürfen sie nicht wohnen. Dort ist die Zutatenbeschaffung schlichtweg zu kompliziert…

Und so macht man Jachae Jongol (Zwei bis drei Portionen):

Zwei kleine Handvoll koreanische Reiskuchen (TK) in warmen Wasser 15 Minuten auftauen.

Eine Packung frische Udon-Nudeln (250 Gramm) mit heißem Wasser überbrühen, auflockern, kalt abschrecken.

Einen Block frischen Tofu in dicke, mundgerechte Scheiben schneiden.

Ein Liter Wasser mit einem Stück getrockneter Alge (Dashida), einer halben Zwiebel und einem Stück Rettich (etwa zwei Zentimeter) aufkochen, 20 Minuten köcheln lassen. Mit zwei Esslöffeln Chilipaste (Gochujang), einem Esslöffel Sojabohnenpaste (Doenjang), Salz und Pfeffer abschmecken.

Gemüse nach Wahl waschen, putzen, in mundgerechte Stücke schneiden.

Gemüse, Tofu und Reiskuchen in eine Pfanne geben, mit Brühe auffüllen, 10 Minuten lang köcheln lassen. Zum Schluss die Nudeln 2 Minuten lang mitkochen. Mit frischem Rucola garnieren.

Den koreanischen Cidre (Makgeolli) nicht vergessen…